Arbeitsmarkt

(Quelle: Volksstimme 1.7.2021)

AfA 8 21 ©Grafik: prePress Media Mitteldeutschland GmbH, Quelle: Bundesagentur für ArbeitAfA 8 21 ©Grafik: prePress Media Mitteldeutschland GmbH, Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die Zeichen in Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt stehen eindeutig auf Erholung, aber ein generelles Beschäftigungswachstum ist noch nicht in Sicht. Dieses Fazit zog Anja Huth, Chefin der Agentur für Arbeit in Bernburg, gestern bei der Vorstellung der aktuellen Daten für den abgelaufenen Monat Mai. „Die Aussicht auf deutliche Lockerungen der Corona-Einschränkungen hat positiven Einfluss auf die Arbeitsmarkterwartungen. Im Zuge der Lockerungen erwarte ich für das Sommerhalbjahr eine kräftige Ausweitung der Wirtschaftsaktivität, vor allem bei den von der Pandemie besonders betroffenen Dienstleistungsbereichen“, erklärte Anja Huth. Die Wirtschaft im Salzland erholt sich dabei wohl auch ein Stück schneller als das Land insgesamt. „Wir haben hier einen sehr guten, kleinteiligen Branchenmix“, begründete Huth im Die mit der Corona-Pandemie einhergehende Krise scheint sich abzuschwächen. Die Wirtschaft im Salzland erholt sich. Ihr Mix und ihre Kleinteiligkeit scheinen von Vorteil. Doch es gibt Sorgen und Risiken. Volksstimme-Gespräch. Andere Regionen, wie etwa der Harz mit seiner stark touristischen Prägung mit Hotellerie und Gastronomie, hätten es da deutlich schwerer, wieder in Gang zu kommen. Huth machte die klare Aussicht auf Erholung auch daran fest, dass es bei Parametern wie Arbeitslosigkeit von Jugend, älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen besser werde. Auch bei der Kurzarbeit, die vielen Unternehmen in der Pandemie geholfen hat, hätte es einen deutlichen Rückgang bei den Anträgen gegeben. Bei der Agentur wurden im Mai 30 Anzeigen auf Kurzarbeit für rund 215 Beschäftigte registriert. Im April waren es noch 80 Anzeigen für rund 580 Beschäftigte. Im November 2020 hatten fast 2650 Beschäftigte in etwa 500 Betrieben im Kreis kurzgearbeitet. Für Huth steht mit dem Erholungskurs der Wirtschaft fest, dass es „die prophezeite Insolvenzwelle in der Wirtschaft nicht geben“ werde. Das schließe nicht aus, so Huth, dass es doch die eine oder andere Firma geben werde, die aufgeben müsse. „Das ist bitter und tragisch für die Betroffenen. Aber es wird keine Welle geben“, so Huth. Dennoch gibt es drei Aspekte, auf die die Arbeitsagentur nicht sorgenfrei schaut. „Die Lieferengpässe bei den Rohstoffen und den Vorprodukten hemmen die Dynamik. Noch mehr Preissteigerungen werden sich negativ auf das Wachstum auswirken“, so Huth. Verantwortlich dafür sei das Anziehen der Weltkonjunktur, vor allem in China und den USA. Das könne schwerwiegende Folgen haben, so Huth. Unter Umständen käme es zu einer „neuen Art von Kurzarbeit: Firmen haben volle Auftragsbücher, aber kein Material, um die Aufträge zu erledigen.“ Vor allem im Baubereich, bei Metall, Holz und im Plastebereich, schießen Preise wegen der Weltkonjunktur in die Höhe. Teils gibt es Steigerungen von um die 400 Prozent. Ein zweiter Aspekt: Huth hofft, dass Firmen und junge Leute, die Lehrstellen suchen, jetzt zügig zusammenkommen. Firmen wären wegen der Pandemie bei Vertragsabschlüssen bisher eher zögerlich gewesen. Aspekt Nummer drei betrifft Hotellerie, Gastronomie und Tourismuswirtschaft. Viele Firmen hätten Personal verloren, die sich im langen Lockdown nach anderer Arbeit umgesehen hätten. „Es besteht die Sorge, ob sie zurückkommen oder neues Personal gefunden wird, wenn es jetzt in die Lockerung und Öffnung geht.“ Zu Aussichten konnte Huth nichts sagen. „Es ist ein wenig wie der Blick in die Glaskugel.“ 297 Männer und Frauen waren Ende Mai im Agenturbezirk Bernburg arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vormonat ist die Arbeitslosigkeit um mehr als 290 Menschen gesunken, teilte die Agentur mit. Die Arbeitslosenquoten sanken in allen vier Altkreisen, die zum Agenturbereich gehören. Dabei reichte die Spanne der Quoten von 7,1 Prozent in Schönebeck bis 9,4 Prozent in Aschersleben. Die Quote in Bernburg beträgt 7,4 Prozent und in Staßfurt 8,4 Prozent. Insgesamt liegt die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Bernburg bei 7,9 Prozent. Das ist ein Prozentpunkt weniger als vor einem Jahr. Am günstigsten war die Veränderung der Arbeitslosigkeit in Schönebeck, dort sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um 14 Prozent. Demgegenüber steht die Entwicklung in Staßfurt mit einem Rückgang von fast zehn Prozent. In Aschersleben und Bernburg sank der Bestand ähnlich, um etwa zwölf Prozent.

 

Arbeitslosenquote Magdeburg 8,0 %
Arbeitslosenquote Agenturbezirk Bernburg 7,6 %
Arbeitslosenquote Schönebeck (Elbe) 6,5 %
Offene Stellen Schönebeck (Elbe) 338

Quelle: Arbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit Bernburg, 01.09.2021