„Jugend trifft Politik“
Schönebecker Jugendliche gehen mit Landtagskandidat:innen ins Gespräch
Mit einem Vorbereitungstreffen am 20. August und einem Landtagskandidat:innentreffen am 27. August 2026 hat die Partnerschaft für Demokratie Schönebeck gemeinsam mit Aktion Zivilcourage aus Sachsen die Veranstaltungsreihe „Jugend trifft Politik“ in Schönebeck umgesetzt. Rund 30 Jugendliche kamen dabei mit den Kandidierenden des Schönebecker Wahlkreises zur bevorstehenden Landtagswahl ins direkte Gespräch.
Den Auftakt bildete am 20. August ein Vorbereitungstreffen für rund 30 Jugendliche der Stadt Schönebeck sowie ihre pädagogischen Begleitpersonen und Lehrkräfte. Teilgenommen haben Schülerinnen und Schüler des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums und der Sekundarschule „Leben Lernen“ sowie Jugendliche der Jugendclubs Young Generation, Piranha und Future. Aufgrund der öffentlichen Ausschreibung der Veranstaltung nahmen zudem einige unbegleitete Jugendliche teil. Zum Einstieg erhielten die Jugendlichen einen kurzen inhaltlichen Input zur anstehenden Landtagswahl: Wofür ist der Landtag überhaupt zuständig, was unterscheidet Landes- von Bundespolitik, und welche Aufgaben werden auf kommunaler Ebene entschieden? Auf dieser Grundlage arbeiteten die Jugendlichen anschließend in Kleingruppen zu selbst gewählten Themenschwerpunkten, die sie als besonders aktuell und relevant einschätzten, darunter Schulwesen, Mobilität und Nahverkehr in Schönebeck, Kultur, Inklusion, Klima sowie Chancengleichheit, jeweils mit Bezug auf Sachsen-Anhalt und auch ganz konkret auf Schönebeck. Aus diesen Diskussionen entwickelten die Jugendlichen die Fragestellungen, die sie eine Woche später den Landtagskandidat:innen stellen wollten.
Wie ernsthaft und tiefgreifend sich die Jugendlichen mit den Themen auseinandersetzten, zeigen ihre eigenen Worte. Zur Chancengleichheit sagte eine Teilnehmerin: „Besonders wichtig ist mir die Auseinandersetzung mit der Chancenungleichheit. Damit wir zu einer Chancengleichheit kommen, vor allem in der Bildung. Es gibt Kinder, die aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Geldes einfach nicht die gleichen Voraussetzungen wie andere Kinder haben. Und ich denke, das sollte man ändern.“ Zum Wahlalter ab 16 äußerte sich eine weitere Teilnehmerin so: „Warum eigentlich nicht? Ich kenne Erwachsene, die ebenso wenig befähigt sind, gute Wahlentscheidungen zu treffen, die kein Wahlprogramm lesen, sich nicht informieren und nur nach Gefühl oder gar nicht wählen. Schülerinnen und Schüler haben wenigstens die Möglichkeit, in der Schule viele Informationen zu bekommen. Man traut uns zu wenig zu.“ Und mit Blick auf die Wahrnehmung von Jugendlichen in der Politik meinte eine Teilnehmerin: „Ich denke, die Politik sieht uns oft nicht, hat gar keinen Blick auf uns Jugendliche. Von uns wird immer nur mehr gefordert, wir sollen immer mehr machen und leisten. Aber dabei wird gar nicht gesehen, dass wir schon viel machen. Wir gehen in die Schule, gehen studieren und arbeiten nebenher, sind interessiert.“
Eine Woche später, am 27. August 2026, fand im Stadtwerkehaus Schönebeck das Landtagskandidat:innentreffen statt, auf das sich die Jugendlichen zuvor inhaltlich vorbereitet hatten. 18 engagierte und sehr gut vorbereitete Jugendliche nutzten die Gelegenheit, ihre zuvor erarbeiteten Themen direkt mit den Landtagskandidat:innen zu diskutieren. Dabei brachten sie nicht nur ihre Fragen und Anliegen ein, sondern untermauerten diese mit vertiefenden Nachfragen, konkreten Fakten und Bezügen zur Situation in Schönebeck. So entstand ein intensiver und inhaltlich fundierter Austausch zwischen Jugendlichen und Politik.
Bereits im Juli waren alle Landtagskandidat:innen des Schönebecker Wahlkreises eingeladen worden. Angemeldet hatten sich schließlich Daniel Schlothmann-Jeschek (CDU), Natalie Nagel (Die Linke, letztlich vertreten durch Dennis Jannack), Marlyn Waga (Bündnis 90/Die Grünen, letztlich vertreten durch Kevin Pockrandt) sowie René Wölfer (SPD). Nach der Begrüßung durch die Partnerschaft für Demokratie Schönebeck übernahm die Moderation und führte durch den Abend, der im Format eines „umgedrehten Karussells“ gestaltet war. Die Jugendlichen saßen in vier festen Gruppen an unterschiedlichen Tischen, während die Kandidierenden von Tisch zu Tisch wechselten und dort jeweils rund 20 Minuten Zeit für das Gespräch hatten. So kam jede und jeder Jugendliche im Laufe des Abends mit allen anwesenden Kandidierenden direkt ins Gespräch. Zwischen den Gesprächsrunden gab es eine Pause mit Snacks, bevor die zweite Runde von Gesprächen begann. An jedem Tisch begleitete eine pädagogische Fachkraft der Bildungseinrichtungen als Gastgeberin bzw. Gastgeber das Gespräch, achtete auf die vereinbarten Gesprächsregeln sowie eine faire Redezeit von etwa zwei Minuten pro Antwort und darauf, dass die Fragen der Jugendlichen im Mittelpunkt blieben. Zusätzlich konnten an den Tischen Fragen anonym auf Karten notiert werden, die von den pädagogischen Fachkräften stellvertretend vorgelesen wurden. Für alle Kandidierenden galten dabei die gleichen Rahmenbedingungen: Themen und Fragen wurden ausschließlich von den Jugendlichen vorbereitet und eingebracht, eigene Eingangsstatements oder vorbereitete Redebeiträge waren nicht vorgesehen, ebenso wenig das Verteilen von Informations- oder Wahlkampfmaterial. Die Kandidierenden reagierten auf die Fragen und Anliegen der Jugendlichen, statt eigene Themen zu setzen. Zum Abschluss trugen die Jugendgruppen ihre Eindrücke und Gedanken aus den Gesprächen zusammen; ein abschließendes Statement der Kandidierenden war bewusst nicht vorgesehen und der Abschluss des Forums gehörte den Jugendlichen.
Ziel des Formats war kein klassisches Podium und keine Aneinanderreihung politischer Positionierungen, sondern möglichst viele direkte Gespräche zwischen Jugendlichen und den Menschen, die sich am 06. September 2026 zur Wahl stellen, mit der Möglichkeit für die Jugendlichen, selbst Fragen zu stellen, nachzuhaken und sich auf dieser Grundlage ein eigenes Bild zu machen. Wie gut das gelang, zeigte sich auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung: Kandidierende, Pädagog:innen und viele der Jugendlichen blieben für weiterführende Gespräche im Raum, rund eine Stunde länger als geplant. Diskutiert wurden Themen, die in den Kleingruppen angeschnitten, aber noch nicht ausreichend vertieft worden waren. „Ein klares Signal für die Relevanz der Jugendbeteiligung in Sachsen-Anhalt: Jugendliche wollen gehört werden, haben eine Meinung und möchten an der Gestaltung des Landes teilhaben, auch nach der Landtagswahl 2026“, resümiert die Partnerschaft für Demokratie Schönebeck.
„Jugend trifft Politik“ wurde von der Partnerschaft für Demokratie Schönebeck gemeinsam mit Aktion Zivilcourage e.V. konzipiert und umgesetzt. Finanziert wurde das Format aus Mitteln der Partnerschaft für Demokratie und damit aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ sowie aus dem Aktionsprogramm „Starkes Mandat“.




