Washington, Paris, Schönebeck
100. Geburtstag Dario Malkowski – Artikelserie – Teil 5: 220 Werke hat der blinde Künstler erschaffen. Eine Spurensuche.
Schon zu Lebzeiten sorgte sich der blinde Künstler Dario Malkowski um seine Werke. Vor allem machte er sich Gedanken darüber, was aus der Sammlung nach seine Tod werden sollte. So räumte er schon im Alter von 80 Jahren sein Atelier auf, verschenkte Werke an Freunde und Bekannte. Einer wurde dabei besonders bedacht. Es sind mehr als 220 verschiedene Objekte, die Malkowski geschaffen hatte. Werke aus Holz, Bronze, Ton und Kunststein. Erarbeitet hat er religiöse Themen genauso wie weltliche, symbolische und naturalistische. Und davon können heute noch viele im öffentlichen Raum entdeckt werden. Auch international, denn Werke von Malkowski sind in Washington (USA), im Louis-Braille-Museum in Paris, in St. Petersburg und Moskau (beide Russland), in Kiew (Ukraine), Warschau (Polen) und Österreich zu sehen. Aber auch in Gotteshäusern Ostdeutschlands, in der Kirche in Plötzky oder im Solequell in Bad Salzelmen.
Wie die Familie erzählt, hatte Malkoski schon im Alter 80 Jahren damit angefangen, sein Atelier aufzuräumen. Große und kleine Werke wurden an Freunde und Bekannte verschenkt. Den größten Schatz allerdings bekam das Industrie- und Kunstmuseum Schönebeck (Imuset). Heute kann die Einrichtung mit Fug und Recht behaupten, die große öffentlich zugängliche Sammlung der Welt mit Werken von Dario Malkoski zu präsentieren.
Dass sich Malkowski und Imuset einigten, ist als Glücksfall zu sehen, bei dem beide Seiten am Ende profitierten. Das Imuset, weil es die Lebenswerk-Ausstellung in den Räumen dauerhaft zeigen kann. Aber auch der Künstler selbst, der schon zu Lebzeiten seine Werke in guten Händen wusste. Viele Wegbegleiter erinnern sich, mit welcher Energie Dario Malkowski selbst mit Hand anlegte, um seine letzte Ausstellung zu gestalten. Darunter ist unter anderem „Der Pflanzer“, die Staatsexamensarbeit aus dem Jahre 1953, die „Kauernde“ von 1965, der „Seeadler“ von 1969 (als Gipsmodell und als Original), die Louis-Braill-Büsten von 1954 und ein Gipsmodell der „Lesenden Hände durch Louis Braille“ von 1951. Auch sich selbst hat Malkowsi gestaltet. Nämlich jenen Moment aus der Zeit des schrecklichen Krieges, die zur Erblindung führte. Im Imuset ist „Heimkehr der Söhne“ aus Stein zu sehen.
Etwas abseits der wahrnehmbaren Peripherie zwischen Sparkasse und alter Villa in der der Geschwister-Scholl-Straße fristet die „Bibergruppe am Teich“ ein unschönes Dasein. Das Grundstück gehört mittlerweile einem Unternehmer. Gerettet dagegen ist der sogenannte Konsolenstein der Schönebecker Paracelsus-Apotheke aus der Schillerstraße. Das Original und ein Modell lagen Jahrzehnte verschollen in einem Raum. Und das, obwohl es sich im die erste öffentliche Auftragsarbeit von Dario Malkowski handelte. Er sollte Kunst für die erste neugebaute staatliche Apotheke in der DDR schaffen.
Anlässlich seines 100. Geburtstages würdigt das Imuset-Museum den außergewöhnlichen Künstler mit der Ausstellung „Dario Malkowski 2.0“. Sie wird am Sonntag, 28. Juni, eröffnet und lädt Besucher dazu ein, das Werk und die Lebensgeschichte eines Mannes neu zu entdecken, der trotz Blindheit Generationen von Menschen die Augen für Kunst und Schönheit öffnete. Die Ausstellung kann bis 25. Oktober jeweils sonntags zwischen 14 und 17 Uhr besichtigt werden.




