Nachruf für Dr. Georg Plenikowski

Präsident des iMUSEt verstarb am vergangenen Dienstag

Dr. Georg Plenikowski war Rathauspreisträger für das Jahr 2015.

Schönebeck trauert um Georg Plenikowski  – einer Persönlichkeit, die das Gesicht der Stadt in besonderer Weise geprägt und weit über ihre Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Er galt als fordernd mit Zielen vor den Augen, kämpferisch um die Sache und undiplomatisch, wenn es darum ging, für Projekte Zustimmungen zu bekommen. Mit 78 Jahren ist Georg Plenikowski am Dienstag gestorben.

Als Präsident des Industrie- und Kunstmuseums (iMUSEt)  und als dessen Gründervater war Georg Plenikowski Motor, Ideengeber und unermüdlicher Antreiber zugleich. Unter seiner Leitung entstand im April 2013 das weithin bekannte Museum, das seither zu einem lebendigen Ort der Erinnerung, der Begegnung und der Identifikation geworden ist.

Mit großem persönlichem Einsatz widmete er sich der Aufgabe, die industrielle Geschichte Schönebecks zu bewahren und anschaulich zu vermitteln. „Schönebecker Geschichte muss erhalten bleiben und nachvollzogen werden können“, sagte er – und er beließ es nicht bei Worten. Mit Tatkraft, Überzeugung und einem Netzwerk engagierter Partner und Helfer setzte er seine Vision in die Wirklichkeit um. Sein Wirken beschränkte sich jedoch nicht allein auf das Museum. Als Mitinitiator der Bürgerinitiative zur Ortsumgehung B 246a und im Engagement um den Bau der neuen Elbauenbrücke zeigte sich sein Verantwortungsbewusstsein für die infrastrukturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Für dieses Engagement erhielt er den Rathauspreis der Stadt Schönebeck für das Jahr 2015.

Georg Plenikowski gehörte zu jenen Persönlichkeiten, die zielgerichtet, folgerichtig und manchmal auch unbequem, aber stets mit dem Selbstverständnis handelten, bleibende Werte zu schaffen. Er war ein Mensch, der nicht nur Ideen hatte, sondern sie mit Ausdauer und Leidenschaft verwirklichte. Sein Engagement war Inspiration und Ansporn zugleich. Seine Lebensgeschichte und seine Visionen erwärmten Herz und Geist. Man konnte sich kaum vorstellen, dass er nicht bereits an neuen Projekten tüftelte, stets mit dem Ziel, der Nachwelt Wertvolles zu hinterlassen.

Der Lebenslauf von Georg Plenikowski ist beeindruckend. Anfang des Jahres 1974 begann der promovierte Technologe und Maschinenbauer seine Tätigkeit im damaligen VEB Sprengstoffwerk Schönebeck. Mit dem Zusammenbruch der DDR war allen klar, dass ein Investor die Geschäfte übernehmen muss. Mit der Lapua Oy aus Finnland wurde ein geeignetes Unternehmen gefunden. Als Plenikowski gefragt wurde, die Geschäftsführung für zwei von fünf Produktionssparten zu übernehmen, sagt er zu.

Die Anzahl der Exportländer nahm stetig zu. Das war nicht nur gut für das Unternehmen, das war auch gut für die Stadt. Auch das ist ein Verdienst des „Doktors“, wie manche ihn nannten. Schon bei Lapua hat Georg Plenikowski die ersten Ideen zu einem späteren Industriemuseum entwickelt. Denn am Firmensitz hatte sich mittlerweile ein beträchtlicher Fundus an Technik des in der Innenstadt abgerissenen Schrotturms angehäuft. Vieles fand später einen Platz im Imuset.

Es fällt schwer zu begreifen, dass ein Geist wie der seine nun zur Ruhe gekommen ist. Georg Plenikowski war ein Mensch mit weitem Blick und klarem Kompass. Wer ihn kannte, der wusste: Seine Gedanken reichten stets weiter als der gegenwärtige Moment. Er hatte noch so viel vor, noch so viele Ideen, noch so viele Pläne, die dem Erhalt und der Weiterentwicklung der Stadt dienen sollten. Das Museum sollte zukunftssicher gemacht und auf dem Außengelände ein Erlebnispark aufgebaut werden.

Dass diese Vorhaben nun nicht mehr durch seine Hände Gestalt annehmen können, erfüllt viele Menschen, die ihn kannten, mit tiefer Trauer. Doch seine Gedanken, seine Visionen und sein unerschütterlicher Glaube daran, dass Geschichte bewahrt und Zukunft gestaltet werden müssen, bleiben lebendig – als weiterhin währendes Vermächtnis eines Mannes, der stets nach vorn schaute und dabei niemals vergaß, woher er kam.