Frauen am Arbeitsmarkt im Salzlandkreis

Obwohl fast die Hälfte der Beschäftigten weiblich sind, übernimmt nur jede Dritte Frau eine Leitungsaufgabe.

Bundesagentur für Arbeit

Frauen sind unverzichtbar für eine stabile Wirtschaft - sie stellen etwa die Hälfte aller Beschäftigten. Aber auch heute noch erschweren traditionelle Rollenmuster ihr Arbeitsleben. Danach sind Frauen hauptverantwortlich für Sorgearbeit. Teilzeitverträge sind oft die unweigerliche Folge. Nur so können sie Beruf und Familie in Einklang bringen.

„Wenn Frauen nach der Erwerbsarbeit nach Hause gehen, haben sie in der Regel keinen Feierabend. Sie beginnen ihre zweite, unbezahlte Schicht. Sie versorgen Kinder und pflegebedürftige Angehörige und kümmern sich um den Haushalt. Sie halten ihrem Partner damit oft den Rücken frei“, erklärt Adrienne Schach, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Sachsen-Anhalt West. „Wer will, dass Frauen ihre Arbeitszeit ausweiten, muss auch Männern ermöglichen, sich mehr am Familienleben zu beteiligen.“

Ein Paradigmenwechsel in diese Richtung sei langsam wahrnehmbar – in den letzten zehn Jahren stieg vor allem die Zahl der Männer in Teilzeitbeschäftigung.

Klassische „Frauenberufe“ sind weniger konjunktursensibel

Letztes Jahr gingen mit 60.157 Beschäftigten im Salzlandkreis etwa 1.700 Personen weniger einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach als noch vor zehn Jahren. Frauen machten dabei zuletzt fast die Hälfte (48,9 Prozent) der Gesamtbeschäftigung im Landkreis aus. Der Beschäftigungsrückgang ist zum einen konjunkturell begründet. Gegenwärtige Betriebsschließungen und Entlassungen im gewerblichen Sektor betreffen vor allem Männer. Aber auch das Ausscheiden älterer Mitarbeitender sorgt für sinkende Zahlen, wenn ihre Stellen nicht nachbesetzt werden können. Die Demografie wirkt dabei über alle Branchen hinweg und trifft sowohl Männer als auch Frauen. Während Männer im Salzlandkreis insbesondere Berufe der Maschinenbau- und Betriebstechnik, der Fahrzeugführung und der Lagerwirtschaft ausüben, sind Frauen zumeist in konjunkturell weniger abhängigen Berufsfeldern tätig. Die meisten Frauen arbeiten im Landkreis in der Erziehung / Sozialarbeit / Heilerziehungspflege, im Büro oder Sekretariat sowie im Verkauf.

Führung bleibt häufig Männersache

Selbst in Branchen, in denen Frauen mehr als die Hälfte aller Beschäftigten stellen, sind Führungspositionen häufiger von Männern besetzt. Im Salzlandkreis zeigt sich das besonders stark im Bereich der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Obwohl fast sieben von zehn der Beschäftigten (68 Prozent) dort weiblich sind, übernehmen gerade einmal vier von zehn Frauen eine Leitungsaufgabe in diesem Bereich (40 Prozent).

Anders sieht es in Bereichen wie Erziehung und Unterricht oder auch im Gesundheits- und Sozialwesen aus. Hier sind mehr als drei Viertel aller Beschäftigten weiblich und auch die Leitungsaufgaben werden überwiegend von Frauen ausgeübt.

Führung in Teilzeit nimmt zu

Die Zahl der Frauen in Führungspositionen im Salzlandkreis ist in den letzten zehn Jahren um knapp 200 gesunken. Damit ist jede dritte Führungskraft im Salzlandkreis eine Frau (35,9 Prozent). Im Bundesland Sachsen-Anhalt liegt der Anteil von Frauen mit Leitungsaufgaben bei 33,7 Prozent.

Ein wichtiger Faktor für eine positive Entwicklung sind familienfreundliche Arbeitszeitmodelle: Letztes Jahr arbeiteten im Landkreis drei von zehn weiblichen Führungskräften in Teilzeit (263). 2015 lag der Teilzeitanteil der weiblichen Führungskräfte noch bei etwa einem Viertel (24,1 Prozent, 275 Personen).

Langsamer Paradigmenwechsel – Mehr Männer in Teilzeit

Insgesamt ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten im Salzlandkreis in den letzten zehn Jahren auf insgesamt 19.826 (+3.227) Personen gestiegen. Besonders auffällig ist dabei der wachsende Männeranteil. Während vor zehn Jahren noch 16,5 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten Männer waren, lag ihr Anteil zuletzt bei 19,7 Prozent.

Der zunehmende Einstieg von Männern in Teilzeit kann langfristig dazu beitragen, Sorgearbeit gerechter zu verteilen und so auch die Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Weibliche Führungskräfte verdienen weniger als männliche

In Sachsen-Anhalt ist das Medianentgelt der Vollzeit arbeitenden Frauen höher, als das der Männer (Stichtag 31.12.2024). Sie verdienen im Schnitt 3.428 Euro. Das Medianentgelt der Männer lag bei 3.322 Euro.

Bei den Führungskräften kehrt sich das Verhältnis um. Weibliche Führungskräfte in Vollzeit hatten zum Stichtag ein Medianentgelt, das 470 Euro niedriger ausfiel als das der Männer. Sie verdienten 4.817 Euro, männliche Führungskräfte 5.287 Euro.

Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist der Gender Pay Gap im Salzlandkreis von 6,9 Prozent im Jahr 2019 auf 4,5 Prozent im Jahr 2024 gesunken. Er liegt damit weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt (17,2 Prozent).

Der Gender Pay Gap ist die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen. Die Entwicklung des Gender Pay Gaps hängt mit den Veränderungen in der regionalen Lohn- Betriebsgrößen- und Berufsstruktur zusammen.