"Er war ein guter Vater"
100. Geburtstag Dario Malkowski – Artikelserie – Teil 4: Sohn Arnim Malkowski über seinen berühmten Vater Dario
Von Olaf Koch
Arnim Malkowski? Der Sohn des blinden Künstlers Dario Malkowski war in Schönebeck an prominenter Stelle verewigt und ist eigentlich kein Unbekannter. Während der Name des Sohnes Arnim vielen vielleicht nicht jedem geläufig ist, die Figur, die er darstelle, allerdings schon. Dabei spielt ein Brunnen im Kurpark eine wichtige Rolle. Das Atelier von Dario Malkowski war ein kleiner Abenteuerspielplatz. Denn welcher Junge konnte in der Schule schon davon berichten, dass es in der Werkstatt Öfen, Technik und Figuren entdecken gab? Es war ein ganz besonderer Ort, an dem der Sohn des blinden Künstlers hin und wieder selbst etwas baute oder bohrte.
„Er war ein guter Vater“, erinnert sich Arnim Malkowski, wenngleich der Vater die Maßstäbe seiner künstlerischen Arbeit auch an den Dingen seines Sohnes anlegte. „Alles, was wir machten, musste sehr genau, akribisch, ja nahezu perfekt sein“, erzählt der heute 69-Jährige. Oftmals wurden er und andere Familienmitglieder nach der Herstellung eines ersten Entwurfes gefragt, wie es ihnen gefällt. Ehrlich wurde Dario Malkowski alles gesagt. So hörte Dario Malkowski aufmerksam zu – er, der das Werk mit den Händen fühlte, auf der anderen Seite jene, die es sahen. Aus diesen unterschiedlichen Interpretationen formte Dario Malkowski das, was bis heute als seine Kunst überdauert. Nichts davon, was er geschaffen hat, hat die Zeit überholt, nichts ist vergänglich geworden.
Wenngleich für Sohn Arnim das Atelier ein zweites Kinderzimmer war, in die Fußstapfen des Vaters wollte er nicht treten. „Mein Vater hat es mir von Anfang offengelassen, was ich beruflich machen möchte. Er hat mich zu nichts gezwungen“, blickt Arnim Malkowski zurück. Er wurde am Ende Autoschlosser. Wie bekannt, studierte Dario Malkowski an den Fachschulen für angewandte Kunst in Magdeburg und Leipzig und schloss das Studium mit dem Staatsexamen ab. Was viele allerdings nicht wissen, dass er damals im Studium schon mal schlechter bewertet wurde, als seine Leistung tatsächlich war. „Mein Vater hat mir erzählt, dass seine Arbeiten oftmals mit der Note 2 bewertet wurden, obwohl er die 1 verdient hätte. Ein Blinder durfte eben nicht besser sein als ein Sehender“, erinnert sich Arnim Malkowski an die Aussagen seines Vaters.
Künstler in der DDR zu sein, bedeutete selbständig zu sein und zu arbeiten. Wer mit der Partei nichts am Hut hatte, bekam meist Aufträge von der Kirche. So war es auch bei Dario Malkowski. Dieses Auftragsverhältnis verschob sich später mehr und mehr, weil in den Haushalten der sozialistischen Städte und Kommunen ein bestimmtes Budget für Kunst bereitgehalten wurde. Und einen Malkowski in Schönebeck zu übergehen, das konnten die Genossen im Rathaus auf Dauer nicht. Die älteren Schönebecker innern sich sicherlich noch an den vollständigen Brunnen im Kurpark von Bad Salzelmen: Die nackte Frau mit den beiden am Wasser spielenden Kinder. „Der Junge, rechts, das bin ich“, sagt Sohn Arnim Malkowski. Als er im Alter von acht oder neun Jahren war, musste er vor den Vater Model stehen. Das kleine Mädchen links am Brunnen war übrigens die Nachbarstochter.
60 Jahre sind seitdem vergangen. Dazwischen liegen Vandalismus, Diebstahl und Neuaufbau, so dass der Brunnen heute nicht mehr das ausstrahlt, was sich Dario Malkowski wünschte. Aber das soll sich ändern: Der Solepark Schönebeck-Bad Salzelmen hat mittlerweile die Formen der drei Figuren wiedergefunden und lässt gerade die Neuanfertigung prüfen.




