"Ein Herz das größer ist als ein Motorradhelm"
„Salzlandfrauen“ 2026 gekürt / Preisträgerin in der Kategorie Soziales kommt aus Schönebeck
Vor kurzem wurden zum 16. Mal im Rahmen einer öffentlichen Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag sieben Frauen für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement mit der Vergabe des Ehrentitels "Salzlandfrau" im Carl-Maria-von-Weber-Theater in Bernburg (Saale) ausgezeichnet. Aus zahlreichen aus der Bevölkerung kommenden Nominierungsvorschlägen konnten erneut besonders verdienstvolle Frauen aus unserer Region in den Kategorien Junges Engagement, Gesellschaft, Soziales, Kultur, Sport und Lebenswerk gekürt werden. Landrat Markus Bauer hatte wie gewohnt die Schirmherrschaft für die Ehrenpreisverleihung übernommen.
Mit dem Titel "Salzlandfrau" 2026 wurden folgende Frauen geehrt: Julia Schellack aus Löderburg sowie Sophie Hühnerbein aus Hoym in der Kategorie Junges Engagement, Jeanne Colgan aus Bernburg in der Kategorie Gesellschaft, Sandy Schützmannsky aus Schönebeck in der Kategorie Soziales, Sigrid Kullack aus Staßfurt in der Kategorie Kultur, Gudrun Schäfer aus Kleinmühlingen in der Kategorie Sport und Ernestine Görl aus Nienburg in der Kategorie Lebenswerk. Veranstalter der Ehrenpreisvergabe 2026 waren der Salzlandkreis sowie die Städte Bernburg, Aschersleben, Schönebeck und Staßfurt mit ihren Gleichstellungsbeauftragten, die Salzlandsparkasse und die Salzlandküche GmbH.
Finanzielle Unterstützung leisteten zudem die Stadtwerke Bernburg, Aschersleben, Schönebeck und Staßfurt sowie die EMS Energie Mittelsachsen. Die Veranstalter danken allen Sponsoren, die mit ihren großzügigen finanziellen Zuwendungen maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Ehrenpreisverleihung 2026 wieder ein Erfolg wurde. Die Festveranstaltung wurde durch die Oberbürgermeisterin der Stadt Bernburg, Dr. Silvia Ristow, mit anerkennenden Worten eröffnet. Im Anschluss richteten Landrat Markus Bauer, die Landesbeauftragte für Frauen-und Gleichstellungspolitik des Landes Sachsen-Anhalt, Sarah Schulze, sowie das stellvertretende Vorstandsmitglied der Salzlandsparkasse, Stefan König, ihre Grußworte an die Gäste der Veranstaltung. Danach wurden die Laudationen für die Salzlandfrauen von den jeweiligen Oberhäuptern der Städte verlesen, in denen die Preisträgerinnen wohnhaft sind. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten das Blockflöten-Ensemble „Pfeif drauf!“ der Kreismusikschule „Béla Bartók“, Standort Bernburg, sowie der „Cantolino Jugendchor“ des Bernburger Gymnasiums „Carolinum“ unter der Leitung von Ronny Strübing-von Tenspolde. Mit Kaffee, einem wunderbaren Kuchenbuffet und angeregten Unterhaltungen klang der Nachmittag aus.
Der Oberbürgermeister der Stadt Schönebeck (Elbe), Bert Knoblauch, hielt die Laudatio für Sandy Schützmannsky, welcher der Ehrenpreis "Salzlandfrau" 2026 in der Kategorie "Soziales" verliehen wurde.
Nachstehend einige Auszüge aus der Laudatio:
„Es ist für mich eine große Ehre und eine ganz besondere Freude, heute eine Frau zu würdigen, deren Herz größer ist als jeder Motorradhelm und deren Engagement lauter klingt als jeder Motor, deren herausragendes ehrenamtliches Engagement zur Förderung des Gemeinwohls in Schönebeck Beispiel gebend für uns alle ist. Wir ehren eine Frau, die nicht lange redet, wenn man handeln kann. Eine Frau, die anpackt. Die Ideen nicht nur spinnt, sondern sie umsetzt. Die mit offenen Armen, offenem Herzen und offenen Ohren durch unsere Stadt geht – und dabei Menschen zusammenbringt, begeistert und mitreißt. Unsere Preisträgerin aus Schönebeck (Elbe) ist eine dieser seltenen Persönlichkeiten, die man trifft – und sofort spürt: Hier steht jemand mit Haltung. Mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Mit dem Mut, auch unbequeme Dinge anzusprechen. Und vor allem mit der tiefen Überzeugung, dass Nächstenliebe kein altmodisches Wort, sondern ein Auftrag ist.
Alles begann im Jahr 2021, als sie ein Motorrad kaufte. Manch einer hätte damit einfach nur eine Spritztour gemacht. Sie nicht. Sie hatte sofort eine Vision: Im Weihnachtsmannkostüm durch die Stadt zu fahren, um Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Die Resonanz auf ihr Vorhaben war überwältigend. Also packte sie 2022 noch Schokolade für die Kinder dazu – selbst finanziert, gemeinsam mit ihrem Mann. Und weil leuchtende Kinderaugen bekanntlich süchtig machen – im allerbesten Sinne – wuchs die Idee weiter. Aus einer Einzelaktion wurde eine Bewegung. Aus einer Vision wurde Gemeinschaft. „Biker for Youth“ nahm Gestalt an. So sammelte sie 2024 von Freunden und Bekannten den Betrag von 800 Euro ein, der sich durch die Einwerbung zusätzlicher Spenden auf eine Höhe von ca. 4.000 Euro summierte. 2025 gründete sie schließlich den gemeinnützigen Verein „Biker 4 Youth“ und startete einen Spendenaufruf, der bereits im November eine beeindruckende Summe von 14.175 Euro erreichte. Doch Zahlen allein erzählen noch nicht die wahre Geschichte.
Die eigentliche Arbeit beginnt für sie jedes Jahr im September. Dann plant sie Routen, spricht mit Einrichtungen, sammelt die Wünsche der Kinder aus den umliegenden Heimen – darunter die AWO-Kinder-und Jugendhilfeeinrichtung „Haus Achterbahn“ Schönebeck, der Burghof mit den integrativen Kinder-und Jugendwohngemeinschaften „Haus Martin“, „Haus an der Burg“, „Klick Pömmelte“, die Ambulanten Hilfen und die Tagesgruppe Schönebeck, ebenfalls die Wohngemeinschaft Ankerplatz des VHS-Bildungswerkes in Glinde, die Tagesgruppe der Nestwärme in Zens, das Caritas-Wohnheim St. Elisabeth Calbe und das SOS Kinderdorf Calbe. Und wissen Sie, was ganz oben auf der Wunschliste der Kinder steht? Nicht Spielzeug. Nicht Technik. Sondern: Eine Familie. Menschen, die Zeit haben. Jemand, der zuhört.
Wenn sie und ihre Mitstreiter mit Motorrädern und Quads vorfahren, kommen die Kinder voller Vorfreude aus den Häusern. Es wird gemeinsam gesungen. Geschenke werden überreicht. Und dann dürfen sich die Mädchen und Jungen für ein Polaroid-Foto auf „ihr“ Motorrad setzen. Ganz bewusst ein Polaroid. Kein Bild, das in einer Handygalerie verschwindet – sondern ein Moment, der sofort greifbar ist. Ein Erinnerungsstück, das bleibt. Danach werden Runden auf dem Parkplatz gedreht. Es wird gebastelt, gebacken, geredet, manchmal auch geweint. Es sind Tage voller Freude – und voller leiser Geschichten. Eine Achterbahn der Gefühle. Denn die größten Wünsche dieser Kinder lassen sich nicht kaufen. Ein großer Teil der Kinder kennt unsere für den Titel „Salzlandfrau“ Vorgeschlagene und deren Begleiter bereits seit 2023, sie basteln jedes Jahr etwas für die Besucher und zeigen stolz die Polaroid-Bilder der vergangenen Jahre – das sind Momente, die gehen ganz tief. Unsere heutige Preisträgerin hat eine ganz besondere Gabe: Kinder fühlen sich bei ihr sicher. Gesehen. Ernst genommen. Und es spielt keine Rolle, wie alt jemand ist, wie groß, ob mit oder ohne Beeinträchtigung – sie begegnet jedem Menschen mit demselben Respekt.
Doch ihr Engagement endet nicht im Advent. Als Mitglied im Förderverein der Schönebecker Stadtteilfeuerwehr Felgeleben bereitet sie den jährlichen Tag der offenen Tür vor, indem sie schon bei der Planung intensiv hilft und dann für die dort angebotenen Kinderaktionen, wie z.B. Mini-Disco, Strähnen flechten, Schmuckstücke gravieren, Babybörse durchführen, Bastelstraße leiten, Luftballons verkaufen oder Hüpfburg bereitstellen verantwortlich zeichnet. Viele Menschen verbinden mit ihr Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Da sie großen Ärger darüber empfand, dass es 2025 so wenige traditionelle Martinsumzüge gab, organisierte sie kurzfristig selbst eine solche Veranstaltung, zu der sich dann 116 Menschen hinzugesellt und anschließend bei ihr zuhause eine Grillwurst gegessen haben. Ihre Begründung? Die Nächstenliebe darf nicht vergessen werden. Und sie muss unseren Kindern weitergegeben werden.“








