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Samstag, 21 Jul 2018
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Ausblick: Eine (nicht ganz ernst gemeinte) Glosse PDF Drucken E-Mail

S7Die Arbeit in einem Archiv ist interessant, abwechslungsreich und gar nicht so trocken, wie manche meinen. Archivare müssen sich sehr aktuellen Problemen stellen und "schwelgen" bei weitem nicht nur in der Vergangenheit. Johann Wolfgang von Goethe meinte nicht umsonst: "Eine Chronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist."

Der ideale Archivar ist ein Multitalent, der sich in der eigenen Verwaltung, aber auch in der allgemeinen und speziellen regionalen Historie ganz gut auskennt oder zumindest weiß, wo man etwas nachlesen kann. Mit historischen Hilfswissenschaften wie Wappenkunde und Siegelkunde muss er sich befassen, auch mit Aktenkunde und dem Entziffern alter deutscher Schriften vergangener Jahrhunderte. Er weiß, dass Schriftverkehr von "unten nach oben" meist Berichte waren und dass die Oberen den Unteren Schreiben in Form von Anweisungen zukommen ließen. Wenn im handschriftlichen Aktenzeitalter ein Untergebener unterschrieb, dann sehr unterwürfig und mit einem sogenannten senkrechten Devotionsstrich über seinem Namenszeichen. Je länger der Strich, desto tiefer die Position des Unterzeichnenden.

Da sollen schon ganz Pfiffige auf die Idee gekommen sein, die Striche mit einem Lineal auszumessen, nach dem Schema:
zwei Zentimeter - Bürgermeister;
vier Zentimeter - Stadtkämmerer;
sechs Zentimeter - Stadtschreiber;
acht Zentimeter - Gemeindediener;
Na ja, und dass man Jahrhunderte alte Urkunden nicht knickt, locht und abheftet, dürfte wohl klar sein. Etwas Latein, Französisch oder Englisch können auch nicht schaden.

Im Englischen zum Beispiel heißt das Wort "municipal" "städtisch", ein Begriff aus dem Lateinischen (municipium = Stadt).
Als Munizipalrat wurde während der französischen Besatzungszeit Anfang des 19. Jahrhunderts der Stadtrat der besetzten Kommunen bezeichnet, also hat die Vokabel ebenso in die französische Sprache Eingang gefunden.

Der Archivar hat Tipps auf Lager, wie man mit alten Archivalien umgeht, welches Material von der Tinte bis zum Papier man aktuell bei dauerhaft aufzubewahrendem Schriftgut verwenden muss. Er lässt sich graue Haare zu dem Thema wachsen, wie er Daten und Informationen auf Datenträgern, die - vom Papier bis zur Festplatte - sämtlich dem physischen Zerfall geweiht sind, für die Ewigkeit retten kann. Vor einem Berg von zu bearbeitenden Archivalien und Sammlungsgütern resigniert er nicht.

Der Archivar hat - nach einer kleinen Bedenkzeit, die man ihm einräumen muss - auf so ziemlich alles eine Antwort. Gegebenenfalls verweist er an andere Archive, Museen oder ähnliche Einrichtungen. Er unterhält viele Kontakte - auch internationale - und kennt eine Menge Leute, die bei einer Anfrage an das Archiv auch einmal unbürokratisch weiterhelfen können, wenn er es nicht kann. Er muss in der Lage sein, sich auf verschiedene Menschen und Situationen einzustellen.

Das "Kellerkind" wie er von manchen Mitbürgern liebevoll genannt wird, berät "seine" abgebenden Stellen bei Fragen der modernen Aktenablage und hat eine Mitsprachepflicht bei solchen Projekten wie der Einführung eines elektronischen Datenmanagements in "seiner" Verwaltung. Der Archivar bekommt nämlich die elektronischen Unterlagen irgendwann einmal ins Archiv und muss sicherstellen, dass sie nach vielen Jahren noch lesbar sind. Außerdem kann er einigermaßen mit der EDV umgehen und sollte nicht nur bei seinen Datenbankprogrammen zur Verzeichnung der Archivbestände ganz gut Bescheid wissen.

Er betreibt breite Öffentlichkeitsarbeit, um seine Einrichtung auch nach außen hin bekannter zu machen. Da bleibt oft wenig Zeit, sich eine alte Akte oder ein altes Buch vorzunehmen und doch einmal in die Vergangenheit abzutauchen. Unter Umständen stellt er dann fest, dass sich nicht so viel im Laufe der Jahre geändert hat wie er anfangs dachte. Mord und Totschlag gab es leider schon immer, aber auch rauschende Feste und "große Bahnhöfe" für sehr wichtige Leute, heute "V.I.P.'s" genannt. Ja, und die Obrigkeit hat auch früher schon die Steuern erhöht, wenn in den öffentlichen Kassen Ebbe herrschte: "Alles das und noch viel mehr macht einen Archivar und seine Arbeit heute aus. Und er muss meist immer ein wenig um Anerkennung kämpfen, aber wie heißt es so schön: "Archive rechnen sich nicht, sie zahlen sich aus"!